Pressemeldung 2/2019: Pressekonferenz des VAB

  • VAB bedauert die nach wie vor ausstehende Zustimmung zum Brexit-Austrittsvertrag
  • Kapitalmarktunion sollte Priorität für neues EU-Parlament und neue Kommission sei
  • Die Steigerung der Attraktivität des Finanzplatzes erfordert weitere Internationalisierung


Frankfurt/Main, 3. April 2019
– Der Verband der Auslandsbanken hat heute auf seiner jährlichen Pressekonferenz den Brexit und die damit in Zusammenhang stehenden Themen diskutiert, sowie Forderungen zur Kapitalmarktunion und zur Steigerung der Attraktivität des Finanzplatzes gestellt. Stefan Winter, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland e.V. (VAB) sagte: „Für den Verband der Auslandsbanken ist das beherrschende Thema weiterhin der Brexit. Wir bedauern, dass eine Zustimmung zum Brexit-Austrittsvertrag noch aussteht, und fordern Aufsicht und Politik zu pragmatischem Handeln auf. Übergangsregeln sind notwendig, um mögliche Gefahren für die Finanzstabilität zu vermeiden.“ Die Mitglieder des VAB seien zwar gut gerüstet und zuver-sichtlich, dass die BaFin im Falle eines harten Brexits entsprechende Maßnahmen ergreifen wird, um die Erfüllung bestehender Verträge rechtssicher zu ermöglichen. „Es ist aber bedauerlich, dass sich der europäische Gesetzgeber nur auf den Derivate-Bereich konzentriert und bei seinen prophylaktischen Übergangsmaßnahmen viele Bereiche des Bankgeschäfts und der Finanzdienstleistungen ausgespart hat. Jeder Mitgliedstaat hat hier nun nationale Maßnahmen angekündigt. So entsteht ein Flickenteppich in der EU27, der dem Binnenmarktgedanken fremd und auch dem Aufbau der not-wendigen Kapitalmarktunion nicht sachdienlich ist“, moniert Winter.

Vor dem Hintergrund des Brexits und den damit verbundenen hohen Kosten für alle Unternehmen sind das neue EU-Parlament und die neue EU-Kommission dazu aufgefordert, unter anderem mit der Kapitalmarktunion international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen. Silvia Schmitten-Walgenbach, stellvertretende Vorsitzende des VAB, betonte: „Nach den Wahlen zum Europäischen Parlament müssen die EU-Institutionen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um einen starken Kapitalmarkt zu schaffen, der es den Marktteilnehmern in der EU27 künftig ermöglicht, ihre Liquidität und ihr Eigenkapital möglichst effizient zu allokieren und weitere Kosten zu vermeiden.“ Guido Zoeller, stellvertretender Vorsitzender des VAB, ergänzte: „Aber mit Veränderungen sind auch immer Chancen verbunden. Diese müssen wir nun nutzen, um einen internationalen Finanzbinnenmarkt zu etablieren. Als Verband sind wir hierfür gut gerüstet. Auf Basis unserer mehr als 35-jährigen Erfahrung werden wir uns wie bisher darauf fokussieren, den Mitgliedsinstituten und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, die für sie relevanten Themen mit der Aufsicht und der Politik zu erörtern und sich für einen offenen Markt und einen fairen Zugang zum Finanzplatz einzusetzen.“

Trotz des herausfordernden Marktumfelds betonte Winter, dass die Mitglieder des VAB optimistisch für ihre Geschäfte in Deutschland seien. Er kommentierte: „Wir sehen steigende Mitgliederzahlen und größere Bilanzsummen bei den Auslandsbanken und anderen ausländischen Finanzdienstleistungsunternehmen. Vor dem Hintergrund des Brexits gehen wir in den nächsten 12 bis 18 Monaten von bis zu 5.000 neuen Stellen in unseren Mitgliedsinstituten aus. In Zusammenarbeit mit der Aufsicht und der Politik ist es unsere Aufgabe, die Rahmenbedingungen optimal auszugestalten, um somit den Standort insgesamt attraktiver zu machen. Dies gilt besonders auch für das Broker/ Dealer-Geschäft mit den zahlreichen neu in Deutschland gegründeten Einheiten.“ Zu den erforder-lichen Verbesserungen gehören die Internationalisierung des deutschen Rechts und insbesondere eine Reform des AGB-Rechts. Zudem wäre die Beseitigung nationaler Besonderheiten wie beispielsweise im Bereich der Großkredite erforderlich. Ein funktionierender und liquider Markt müsse mit einem diskriminierungsfreien Zugang offen sein für internationales Kapital. Dies beinhalte auch einen harmonisierten Rahmen ohne nationales Goldplating und somit einem einheitlichen und damit leichter auf seine Einhaltung kontrollierbaren Regelwerk. Goldplating schrecke internationale Institute und Investoren gleichermaßen ab und führe zu einer Umleitung des Kapitals an andere Plätze.

Die vollständige Rede des Vorstandsvorsitzenden finden Sie im Internet unter hier.


Ansprechpartner: Dr. Oliver Wagner (Tel.: +49 69 9758500)

Der Verband der Auslandsbanken in Deutschland ist die Interessenvertretung der ausländischen Banken, Fonds, Finanzdienstleistungsinstitute und Repräsentanzen in Deutschland. Der Verband betreut rund 200 Mitgliedsinstitute.

Pressemeldung 2/2019

 

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